Ofencampus 2026 – Handwerk, Wald und Zukunftsgestaltung

 

Der Ofencampus richtet sich an das breite  Fachpublikum aus Ofenbau und Architektur, aber auch an fachinteressierte Laien. Organisiert von 850Grad – Handwerklicher Ofenbau e.V., führt er das fort, was im vergangenen Jahr im Ofenmuseum in Velten auf große Resonanz gestoßen ist: ein Zusammenbringen von handwerklichem Wissen, wissenschaftlichen Erkenntnissen und einem tiefen Verständnis für Ressourcen und Materialien. Im Jahr 2026 geht der Campus einen konsequenten Schritt weiter – hinaus in den Wald, hinein in die Ursprünge des Ofenbaus, der Materialien, der Energie und des Bauens.

 

Tag 1 – Fachregeln, Tradition und europäische Entwicklungen

Der erste Kongresstag widmet sich den Grundlagen des Handwerks – den Ofenbaufachregeln. Sie bilden seit Jahrzehnten die Orientierung für Planung, Berechnung und Bau von Feuerstätten im deutschsprachige Raum. Tobe Hinrichs, langjähriger Kenner dieses Regelwerks, führt durch ihre historische Entwicklung und die aktuellen Herausforderungen, vor allem im europäischen Kontext. „Fachregeln entstehen nicht am Schreibtisch, sondern im Handwerk. Ihre Zukunft entscheidet sich daran, wie gut sie gelebte Praxis und europäische Entwicklungen zusammenbringen.“ – Tobe Hinrichs

Im Anschluss diskutieren Harald Müller (Österreich) , Martin Bürgler (Schweiz) und Stefan Pedoth (Italien) die Harmonisierung technischer Anforderungen in Europa. Viele Mitgliedstaaten verfolgen inzwischen ähnliche Ziele: Emissionsbegrenzung, Energieeffizienz, Sicherheit und Nachvollziehbarkeit der Berechnungen.

Ein Wald als Seminarraum – Ressourcen verstehen

Dass der Ofencampus 2026 im Wald stattfindet, ist inhaltlich wie konzeptionell begründet: Der Wald ist Ursprung des Brennstoffs Holz und zugleich ein hochkomplexes Ökosystem, das unter Klimastress steht. Simon Lesche vom Technologie – und Förderzentrum Straubing ordnet die Rolle des Holzenergieeinsatzes wissenschaftlich ein.
„Holzenergie ist nur nachhaltig, wenn ihre Nutzung die Leistungsfähigkeit des Waldes nicht überschreitet. Genau hier entscheidet sich, wie glaubwürdig der Sektor bleibt“, betont Simon Lesche, der am Freitag referieren wird.

Markus Bernhold vom Walderlebniszentrum ergänzt diese Perspektive aus Sicht der Waldpädagogik und -ökologie: „Ein klimaresilienter Wald braucht Stabilität, Anpassungsfähigkeit und vor allem Zeit. Nutzung ist möglich – aber nur mit Maß und mit Verständnis für die ökologischen Prozesse.“

Tag 2 – Handwerk als Kulturtechnik

Die Rückbesinnung auf die handwerklichen Ursprünge prägt den zweiten Tag: von der Tonaufbereitung über Lehmrezepturen bis zur traditionellen Kachelherstellung.
Hier zeigt sich, wie eng der Ofenbau mit dem Materialverständnis verwoben ist. „Ton und Lehm reagieren auf jeden Handgriff. Wer hier arbeitet, lernt Respekt vor dem Material – das ist echte handwerkliche Kultur “, weiß Luise Sumereder , eine der Referentinnen.

Die Praxisorientierung dieses Tages knüpft an die historische Entwicklung des Handwerks an: früher waren Hafner nicht nur Ofenbauer, sondern auch Keramiker, Materialkundler und Formgeber.

Dass ursprüngliches Handwerk auch innovativ sein kann und höchsten Anforderungen an Emissionsschutz Stand hält, dass zeigen Christoph Ruopp und Marius Dislich mit Ihrem Projekt Kochherd aus Lehm als Projekt zur Selbsthilfe in Äthiopien – Deren Emissionsprüfungen bei Rhein-Ruhr-Feuerstättenprüfstelle liefern erstaunliche Ergebnisse.

Zum Abschluss des Tages stellt Thomas Zander, Vorsitzender von 850 Grad, die erste umfassende Studie zu Grundöfen respektive Speicherfeuerstätten vor. Diese Studie wurde in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit Prof. Ingo Hartmann und Dr. Mirjam Müller vom DBFZ fertig gestellt. Was die Holzfeuerung historisch zur Urbanisierung und Entwicklung Europas beigetragen hat und zukünftig beitragen wird und inwieweit Emissionen auf ein Minimum gemindert werden können, all diese Gesichtspunkte sind in dieser wegweisenden Studie aufgearbeitet worden. „Zukunftsfähige Raumheizungen müssen an den Kriterien der Nachhaltigkeit, Effizienz, Ressourcenschonung und den Gesamtemissionen gemessen werden – diese werden mit dem Begriff `Systemwirkungsgrad` erfasst“, erklärt Zander einen der zentralen Aspekte.

Tag 3 – Der Grundofen im Kontext zukünftiger Gebäude

Am Abschlusstag schlägt Friedrich Idam die Brücke zwischen traditionellem Speicherofen und modernen Gebäudekonzepten. Die Debatte um „simple smart buildings“  zielt auf minimaltechnische, robuste, energiearme Bauweisen – ein Gegenentwurf zu komplexen Haustechniksystemen. „Der Grundofen ist ein uraltes, widerstandsfähiges Low-Tech-System – genau das, was viele Gebäude der Zukunft brauchen“, davon ist Friedrich Idam überzeugt.

Im Anschluss thematisiert Marc-Angelo von Zoepffel die Auswirkungen globaler Ressourcenverknappung auf regionale Wärmeversorgung: „Dezentrale, erneuerbare Wärmequellen werden künftig unverzichtbar. Der Ofenbau kann hier einen relevanten Beitrag leisten – regional verankert und technisch ausgereift.“

Abschließend erklärt Sven Müller von der Rhein – Ruhr – Feuerstättenprüfstelle die Rolle der DIN 16510 im modernen Feuerstättenbau. Dabei hebt Müller hervor, dass Normen kein Selbstzweck sind . „Sie geben Sicherheit – für Handwerker, Behörden und Nutzer. Entscheidend ist, dass sie verstanden und praxisgerecht umgesetzt werden.“

850Grad – Handwerklicher Ofenbau e.V. Der Verein stärkt die Weiterentwicklung des traditionellen Ofenbaus, fördert Forschung, Qualitätssicherung und Ausbildung und vernetzt Handwerk, Wissenschaft und europäische Partner. Der Ofencampus ist das zentrale Format des Vereins – ein Ort, an dem sich Tradition, Innovation und Ressourcenbewusstsein auf Augenhöhe begegnen.

Weitere Infos unter: 850Grad@gmx.de I Bei Interesse an einer Teilnahme bitte das Anmeldeformular per Mail an uns senden.